18. 6. 2013 Winckens-Winkel der Weißen Flotte im Lustgarten - Recht muss Recht bleiben oder Ehre, wem Ehre gebührt

Zuerst die gute Nachricht: Der „Winkens-Winkel“ ist offensichtlich vom Tisch, da – wie die Weiße Flotte mitgeteilt hat – das Architektenpaar Dietz/Joppien „sich keinen Zentimeter bewegt“ hätte. Insofern müssen wir den Schöpfern des Neuen Lustgartens außerordentlich dankbar sein, dass sie mit ihrer Konsequenz die verhängnisvolle Mehrheitsentscheidung der Stadtverordnetenversammlung aufgehoben haben.

So bleibt letztlich die Frage, wo denn nun der Bau der Weißen Flotte entstehen soll: am Bahndamm oder am Fuße des Mercure-Hotels. Dass die Sache mit der innerstädtischen Entlastungsstraße (ISES) in Verbindung gebracht wurde, nährte der Verdacht, dass OB und Rathauskooperation den Bahndamm-Standort präferierten; Denn bei einem Bau am Bahndamm wäre allerdings der Bau der ISES nicht mehr möglich.

Aber die Fraktionen mit der Mehrheit in der SVV (LINKE, CDU, BürgerBündnis und Potsdamer Demokraten) sahen das anders. Sie wollten einerseits den Lustgarten soweit wie möglich unangetastet lassen, andererseits möglichst schnell der Weißen Flotte einen Neubau zubilligen. Das ist nur bei dem Standort am Fuße des Mercure möglich.

Insofern will der OB in der Sommerpause noch einmal mit Dietz/Joppien sprechen, wie sie denn zum Standort am Bahndamm stehen und ob sie dort Einwände hätten. Wie diese Gespräche auch immer ausgehen, die Mehrheit der Stadtverordneten scheint für den Standort am Fuße des Mercure Position zu beziehen. Das umso mehr, als die Geschäftsführer der Weißen Flotte Jan Lehmann und Jörg Winkler sich eindeutig für diesen Standort ausgesprochen haben.
So scheint sich noch alles zu einem guten Ende zu wenden.

Aber es sollte dabei nicht vergessen werden, dass es die Potsdamer Demokraten, namentlich Wolfgang Cornelius, waren, die bereits bei der ersten Vorstellung im Bauausschuss im November 2012 Unrat witterten und gegen den völlig überdimensionierten Winckens-Winkel Stellung bezogen, schnitt der doch in seiner Größe den Lustgarten vom Hafenbecken ab und hätte im Falle seiner Errichtung den Lustgarten und das Neptun-Bassin unwiederbringlich beeinträchtigt. Dass dann auch noch der Baubeigeordnete Matthias Klipp Dampf machte und auf sofortiger Beschlussfassung in der Dezembersitzung der SVV bestand, ließ bei Cornelius und seinen Getreuen alle roten Lampen angehen.

Also haben die Potsdamer Demokraten bereits am 18. 11. 2012 im Potsdam-Museum am Alten Markt zu einer Veranstaltung eingeladen und die Sache öffentlich gemacht. Die Empörung der Anwesenden war groß und als Nahziel wurde vereinbart, die sofortige Beschlussfassung zu verhindern und die Sache in die Ausschüsse zu überweisen, damit dort noch einmal in Ruhe darüber diskutiert werden konnte.

Glücklicherweise sah das die Mehrheit der Stadtverordneten auch so, und der Bauausschuss sollte sich in seiner Januar-Sitzung noch einmal intensiv damit befassen. Vorher aber luden die Potsdamer Demokraten  zu einer weiteren öffentlichen Kundgebung in das Mercure-Hotel ein, zu der so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen, dass es sogar die Einladenden überraschte.

Trotz des öffentlichen Interesses und der positiven Resonanz in der Presse ließ die Rathauskooperation (mit Ausnahme der Bündnisgrünen) nicht von ihrem Vorhaben ab, war sie sich doch der Unterstützung durch die Linken sicher.
So kam es in der SVV-Sitzung am 30. 1. 2013, wie es kommen musste: Die Potsdamer Demokraten und ihre Unterstützer konnten sich mit ihren Argumenten nicht durchsetzen, und der Neubau wurde mit den Stimmen der LINKEN, der SPD, der Fraktion DIE ANDERE und der CDU/ANW beschlossen. Näheres findet der Leser unter dem Link:
http://potsdamer-demokraten.de/cms/zeigeBereich/4/zeigeText/871/30-1-2013-----diese-svvsitzung-hatte-es-in-sich.html
Selbst die Drohung der namentlichen Abstimmung brachte keine deutliche Änderung.

Daraufhin gründete sich die Bürgerinitiative „Lustgartenini“ mit Monika Schulz-Figuth an der Spitze, mit der bewusst die Bürgerinnen und Bürger die Initiative ergreifen sollten, um wie weiland beim Stadtschloss das Ruder noch einmal herumzureißen. Obwohl einige Stadtverordnete von Fraktionen und Vertreter von Parteien dabei waren, sollte es eine Initiative der Menschen in unserer Stadt bleiben.

Ob das auch ein Grund dafür war, dass die Urheberrechtsinhaber Dietz/Joppien fest  bei ihrer Ablehnung blieben, sei dahingestellt – auf jeden Fall haben die Potsdamer Demokraten seinerzeit die richtige Entscheidung getroffen und frühzeitig die Menschen sensibilisiert.

Für ihre Unterstützung, vor allem die der Lustgartenini sowie der von Mitteschön, ist  an dieser Stelle herzlich zu danken. Sie haben schnell und engagiert das Problem aufgegriffen, nachdem die Stadtpolitik das Vorhaben abgesegnet hatte, und damit die öffentliche Meinung beeinflusst, vielleicht sogar dadurch Dietz/Joppien in ihrer unnachgiebigen Haltung bestärkt.